Amazon Echo - Erste Eindrücke

Amazon Echo – Erste Eindrücke

Ich hatte für ca. drei Wochen den Amazon Echo bei mir zum Testen. Die folgende Zusammenfassung meiner Erfahrungen soll kein umfangreicher Testbericht sein, wie es ihn schon an so vielen Stellen des Internet gibt. Ich möchte stattdessen einen kleinen Eindruck geben, wie der Echo in unserer Familie genutzt und aufgenommen wurde.

Einrichtung des Amazon Echo

Die Einrichtung war recht schnell erledigt. Die Nutzerführung in der Smartphone-App war nicht ganz schlüssig und eindeutig, aber mit etwas Erfahrung mit dem Anschluss von WLAN-fähigen Geräten wie Kameras, Waagen oder Repeatern ließen sich die kleinen Klippen umschiffen. Unerwartet war die Einbindung anderer Geräte wie des Kindles und des FireTV-Sticks in die Alexa-App. Das hat bei der Einrichtung etwas zur Unübersichtlichkeit beigetragen.

Einbindung von Medien und Soundqualität des Lautsprechers

Der Spotify Premium Account war ebenfalls nach Eingabe der Benutzerdaten recht schnell eingerichtet. Die Funktion, dass Spotify als Standard-Musikdienst eingerichtet werden kann (z.B. statt Amazon Prime Music), sollte allerdings bereits während der Einrichtung abgefragt werden. Stattdessen habe ich die Funktion erst einige Tage später entdeckt. Eigene Musik kann über die Amazon Musikbibliothek eingebunden werden. Dafür muss wiederum unter Windows die Amazon Music App  heruntergeladen werden. Weniger umständlich wäre da eine direkte Anbindung von Ordnern auf einem Netzwerklaufwerk oder gar Amazon Drive.

Die Soundqualität des großen Amazon Echo ist durchaus vernünftig. Er spielt laut und klar und kann sogar einen leichten Bass bieten. Was fehlt, ist die Räumlichkeit von Stereo-Lautsprechern, aber nichtsdestotrotz ist die Wiedergabequalität des Echo für das Abspielen von Musik im Hintergrund einwandfrei. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Echo-Portfolio in den kommenden Jahren durchaus auch speziell für Musikliebhaber mit Stereo-Systemen diversifiziert wird. Stand heute ist für Audio-Liebhaber sicher der keine Echo Dot, der per Klinke an die Stereoanlage angeschlossen werden kann, die bessere Wahl.

Die Amazon Echo Spracherkennung

Ein Gerät wie der Echo steht und fällt natürlich mit der Qualität der Spracherkennung. Amazon Alexa steht da noch mitten in der Entwicklung. Gerade in den ersten Tagen ist die Nutzung des Echo eine Mischung aus Verblüffung, Begeisterung, Frustration und Enttäuschung. So werden teilweise durchaus komplexe Anweisungen und Fragen verstanden und sinnvoll beantwortet, im nächsten Versuch aber ähnliche Befehle nicht mehr verstanden, weil man eine andere Kombination der Worte oder Synonyme genutzt hat.

In einer ruhigen Umgebung ist die Sensitivität der Lautsprecher erstaunlich. Alexa reagiert dann auch auf leise Ansagen. Befinden sich Leute im Gespräch, wird es mit der Erkennung schwieriger. Spielt Echo dann auch noch selbst etwas lauter Musik ab, kann man kaum noch zu dem smarten Lautsprecher durchdringen. Ein weiteres Problem ist auch das Erkennen von Kinderstimmen. Mein 7-jähriger Sohn hatte häufig Probleme den Echo mit dem Schlagwort „Alexa“ zu aktivieren. Selbst wenn für unsere Ohren seine Aussprache klar und sauber klang, hat Alexa die zunehmend frustrierten Namensnennungen einfach ignoriert oder sprang erst bei mehrfachen Versuchen an. Ein Problem war auch die Nennung von Musikern aus dem nichtenglischen und nichtdeutschen Sprachraum. Befehle zum Abspielen von Musik von Ennio Morricone wurden beispielsweise erst erkannt, nachdem ich den Namen englisch ausgesprochen habe. Ähnliches passierte mir auch mit vielen bekannten Klassik-Komponisten.

Insgesamt sollte die Spracherkennung aber nicht zu negativ betrachtet werden. Nahezu alle Grundbefehle werden sauber erkannt, ohne dass man unnatürlich sprechen muss.

Die Nutzung im Alltag

Amazon Echo WerbungGerade in den ersten Tagen und bei Besuch von Familie und Freunden wird natürlich viel gestestet. Jeder stellt Fragen, jeder lässt sich Witze erzählen, jeder möchte seine Lieblingsmusik abspielen. Im ganz normalen Alltag hat sich die Nutzung von Echo auf folgende vier Bereiche konzentriert:

  1. Abspielen von Musik über das eingebundene Spotify Premium
  2. Abspielen von Nachrichten
  3. Lokaler Wetterbericht
  4. Abspielen der 100 Sekunden Tagesschau Nachrichten

Teilweise ist die Ausprache der grundsätzlich sehr angenehmen Alexa-Stimme etwas undeutlich. Silben werden verschluckt, bestimmte Wörter merkwürdig ausgesprochen. Gerade beim (unwichtigen) Erzählen von Witzen ist mir das stark aufgefallen. Man muss häufig recht konzentriert zuhören, um die Pointe zu verstehen – und das liegt sicher nicht an meinem Humorverständnis.

Neue Funktionen wie z.B. kürzlich die Sportnachrichten werden regelmäßig hinzugefügt. Ich erhoffe mir da aber eine strenge Qualitätskontrolle. Gerade die Sportnachrichten waren eine sehr generische Aneinanderreihung teilweise viele Tage alter Fußballergebnisse, roboterartig vorgetragen. Solche Neuerungen sollten in diesem Zustand nicht offensiv im Alexa-Newsletter beworben werden.

Unser Haus ist bisher nicht mit Smart Home ausgestattet, da könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Kommandos wie „Licht im Erdgeschoss aus“ oder „Heizung im Dachgeschoss abdrehen“ zusätzlich sinnvoll wären. Dennoch war auch bei uns der Echo schnell im Alltag angekommen: Musik bei Küchenarbeiten, Kinderlieder für die Söhne, zwischen durch Nachrichten und vereinzelte Fragen. Vorteil von Amazon Echo ist einfach seine ständige Verfügbarkeit, ohne dass ein Smartphone zur Hand ist oder die Anlage per Fernbedienung gestartet werden muss. Das Gerät ist schnell eingeschaltet und genauso schnell wieder ausgeschaltet.

Fazit

Zugegeben, drei Wochen sind eine recht kurze Testphase für einen potentiellen Alltagsgegenstand. Trotzdem spürt man das Potential eines solchen digitalen Helfers. Durch die Anbindung an die Cloud kann der Echo als smarter Lautsprecher unbemerkt von den Nutzern ständig verbessert werden. Amazon wird durch seine enorme Reichweite und den offensichtlichen Verkaufserfolg der ersten Generation des Echo auch genügend Daten sammeln können, um den Alexa-Service optimieren zu können. Die Erweiterung durch Skills ist eine schöne Sache für die Bastler in uns, Ziel sollte es aber meiner Meinung nach sein, die Basisfunktionen von Alexa voranzutreiben. Dafür sind gemeinsame Standards erforderlich und ich hoffe, Amazon wird dort offene Standards setzen, unterstützen & fördern und mit einer breiten Basis von Herstellern zusammenarbeiten. Ein gesunder Wettbewerb mit Siri von Apple und dem Google Assistenten sollte für den nötigen Druck zur Weiterentwicklung sorgen.

Der Amazon Echo macht Lust auf mehr und ich bin gespannt auf die Entwicklung. Ein gewisses Grundvertrauen Amazon gegenüber vorausgesetzt, ist der Echo für jeden technik-affinen Nutzer eine Kaufempfehlung. Er muss sich allerdings darauf einstellen, dass er zwangsläufig Teil der vergleichsweise frühen Entwicklung von Amazon Alexa ist.