Schneller Zugriff z.B. für Amazon Drive

Es gibt eine große Auswahl von Cloudspeicherplatz. Ob Dropbox, Google Drive, Onedrive oder Amazon Drive, jeder Anbieter bringt seine eigene Software und sein eigenes Webinterface mit. Dropbox bietet eine wunderbare Synchronisation von Daten, OneNote ist gut in Windows integriert, Google Drive ist in die zahllosen Services von Google gut eingebunden, Amazon Drive sprengt Kapazitätsgrenzen. Es gibt gute Gründe, mehrere Cloudservices zu nutzen.  Um diese Clouddienste gemeinsam zu verwenden, ohne sich an die Eigenheiten der jeweiligen Software und Webinterfaces gewöhnen zu müssen, gibt es einige Möglichkeiten.

Eine sehr effektive, einfache Möglichkeit ist die Einbindung von Cloudspeicher als Laufwerk unter Windows oder Mac. ExpanDrive ist eine der bekannteren und schon lange fortentwickelten Lösungen. Das kostenpflichtige Tool unterstützt die Einbindung folgender Cloudanbieter:

  • Dropbox
  • Google Drive
  • Amazon Cloud Drive
  • Box
  • OneDrive
  • Openstack Swift
  • Amazon S3

Darüber hinaus lassen sich eigene SFTP, FTP  und WebDAV Server einbinden.

Einrichtung

Die Einrichtung geht schnell von der Hand. Man kann unbegrenzt viele Cloudanbieter als Laufwerk anlegen, wobei dies natürlich zu einer großen, eventuell unübersichtlichen Anzahl von Laufwerken führen würde. Je nach Anbieter muss man ExpanDrive die Zugriffsrechte für den Cloudspeicher gewähren. Bei meinen Tests mit Amazon Drive, Google Drive, OneNote und Dropbox ging das alles sehr schnell und problemlos. Im Netz findet man einige Beiträge zu Problemen beim Setup, wenn die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Amazon aktiviert ist, das kann ich aber nicht bestätigen. Für einige Anwendungszwecke, z.B. bei mehreren Familienmitglieder, ist es auch sehr nützlich, dass man die Accounts mehrerer Personen beim gleichen Anbieter einrichten kann. Für Kopierprozesse zischen beiden Accounts sicher eine gute Sache, allerdings komme ich auf das Kopieren großer Datenmengen weiter unten noch zurück.

Jedem Cloudspeicher kann man unter Windows einen Laufwerksbuchstaben zuweisen. Ein Laufwerk kann über ExpanDrive jederzeit „ausgeworfen“ und wieder gestartet werden, so dass die Übersichtlichkeit im Dateiexplorer auch bei Nutzung vieler Anbieter gewahrt bleibt. SFTP, FTP und WebDAV Server werden genauso behandelt, so dass sie sich ebenso harmonisch als Laufwerk einordnen. Alles in allem bietet ExpanDrive damit ein kinderleichtes Setup, dass auch unerfahrene Nutzer nicht vor Probleme stellen sollte.

Im den Einstellungen von ExpanDrive gibt es einige wenige Optionen. Diese betreffen unter anderem das kleine Symbol, dass sich in der Taskleiste einnistet, aber auch die Option, das Laufwerk bei Verbindung des Cloudspeichers sofort anzuzeigen (vergleichbar mit dem Einstecken eines USB-Sticks). Cloudspeicher können auf Wunsch bei Start von Windows automatisch als Laufwerk eingebunden werden, was bei vielgenutzten Anbietern eine sinnvolle Sache ist.

Neue Versionen von ExpanDrive werden automatisch angezeigt, man kann in den Einstellungen die Suche aber auch manuell anstoßen. Beim Einspielen der bisherigen Updates bin ich einmal auf das Problem gestoßen, dass sich ExpanDrive zweimal installiert hatte und in der Folge nicht mehr lief. Deinstallation und anschließende Neuinstallation hat das Problem behoben. Alle anderen Updates liefen problemlos durch. Die Frequenz von Updates ist bei ExpanDrive aufgrund der Thematik recht hoch, neue Versionen werden im Blog auf der Firmenwebseite übersichtlich mit Release Notes gelistet.

Praxiseinsatz im Alltag am Beispiel von Amazon Drive

Eine Lösung wie ExpanDrive steht und fällt natürlich mit der Geschwindigkeit im Alltagseinsatz. Wie schnell kann ich auf die Laufwerke zugreifen, wie sehr unterscheidet sich das Arbeiten mit „Cloud-Laufwerken“ von den normalen lokalen Laufwerken, wie Festplatten und USB-Sticks. Die Ergebnisse werden zum einen von ExpanDrive selbst bestimmt, zum anderen aber natürlich auch von der Geschwindigkeit des eigenen Internetanschlusses. In meinem Fall ist das ein VDSL 50.000-Anschluss mit einem Upload von rund 1,2 MB/s.

Der Zugriff auf die Cloudspeicher erfolgt nach der erfolgreichen Einrichtung ganz normal über den Windows Explorer. Die Zugriffszeiten sind dabei erstaunlich fix, Ordnerstrukturen werden fast genauso schnell dargestellt wie bei lokalen Laufwerken. Einzig bei Ordnern mit Fotos dauert die Erstellung der (optionalen) Vorschaubilder längere Zeit, was aber der Geschwindigkeit der Internetanbindung geschuldet ist.

Amazon DriveDas Kopieren von Dateien gestaltet sich bei normalen Ordnern, Dokumenten und Fotos problemlos. Die Geschwindigkeit der eigenen Internetverbindung wurde bei meinen Versuchen nahezu optimal ausgenutzt. Auch Löschen von Dateien und Ordnern geht sehr schnell. Eine schöne Sache, die bei vielen Cloudanbietern auch im Webinterface nicht klappt, ist das Anzeigen von Ordnergrößen. Mit ExpanDrive geht es über den gewohnten Rechtsklick auf den Ordner und das Anwählen von Eigenschaften. Allerdings sollte man bei sehr großen Ordnern etwas Geduld dafür aufbringen.

Auf Probleme bin ich beim Kopieren größerer Dateien bzw. Dateimengen (1000 Files/ca 1,7GB) gestoßen. Obwohl ExpanDrive im Hintergrund ein Caching der Dateien durchführt, brach der Kopierprozess bei nicht allen, aber doch einigen Kopiervorgängen ab. Meine Internetverbindung hatte aber keine Unterbrechung. Teilweise war dann auch der Laufwerksbuchstabe des Cloudanbieters nicht mehr zu öffnen und ich musste im Fall von Amazon Drive das Laufwerk entfernen und komplett neu konfigurieren. Der Support von ExpanDrive empfiehlt in solchen Fällen die Unterteilung des Kopiervorganges auf mehrere kleine Häppchen. Für mich ist das eine eher unbefriedigende Lösung und ich hoffe, ExpanDrive bessert da nach. Sollten sich in dem Fall Neuigkeiten ergeben, werde ich es hier ergänzen. (Update zum Thema hier)

Lizenzkosten

ExpanDrive ist kein Abodienst, sondern es wird eine Lizenz für die aktuelle Hauptversion, derzeit Version 5, erhoben. Im hauseigenen Store kostet die Einzellizenz 49,95 US-Dollar. Seit Anfang des Jahres kann zusätzliche eine Option für Lifetime Upgrades angewählt werden, die dann zusätzlich mit 24,95 US-Dollar zu Buche schlägt.Die Lizenz ist User-gebunden, aber plattformübergreifend, d.h. es können mehrere Windows- oder Mac-Geräte gleichzeitig mit ExpanDrive genutzt werden. Zum Testen aller Funktionen ist nach der Installation von ExpanDrive das Programm 7 Tage lang komplett freigeschaltet.

Insgesamt ist der Preis vpn ExpanDrive etwas zu hoch. Mein Tipp: Fragt auf der Facebook-Seite von ExpanDrive nach einer zukünftigen Rabattaktion und eventuell erhaltet Ihr genauso wie ich einen speziellen Coupon für einen ordentlichen Rabatt.

Fazit

ExpanDrive ist im Arbeitsalltag eine echte Erleichterung. Schneller Zugriff auf Cloudspeicher ohne einzelne, eventuell mangelhafte Zusatzsoftware vom Anbieter (ja, ich meine Dich, Amazon!) oder wechselnde Webinterfaces. Ein schöner Aspekt ist auch, dass lokaler Speicher nicht belegt wird und man trotzdem das Gefühl hat mit lokalen Laufwerken zu arbeiten. Die Einrichtung von ExpanDrive geht schnell und ohne Probleme. Einzig die mangelhafte Stabilität bei sehr großen Dateimengen sollte behoben werden. Wer allerdings mit normalen Dateigrößen im Alltag hantiert und den Cloudspeicher komfortabel nutzen möchte, für den ist ExpanDrive eine gute, wenn auch nicht ganz preisgünstige Empfehlung.

Ein Update zum Thema der Kopierproblematik findet Ihr hier.