Am Sonntag fliege ich in privat ins ferne Taiwan. Ich habe in Taiwan mehr als fünf Jahre gelebt und gearbeitet, dort meine Familie gegründet, bevor wir gemeinsam nach Deutschland gezogen sind. Ich bin gespannt, wie sich Taiwan seit meinem Aufenthalt 2015 weiterentwickelt hat. Politisch hat sich viel geändert, mit einer neuen Präsidentin, vielleicht auch mit einem neuen Selbstvertrauen, gestärkt von einem mit China scheinbar sehr konfrontationsfreudigen US-Präsidenten Trampel Trump.

Was viele verkennen, ist, dass Taiwan ein großes Technologiezentrum ist. Große Firmen wie Acer, Asus, Synology oder mein Arbeitgeber D-Link haben ihren Hauptsitz auf der vergleichsweise kleinen Insel. Nahezu jeder Grafikkarten- und Mainboardhersteller hat seine Wurzeln in Taiwan, ein großer Teil der weltweiten Halbleiterproduktion findet dort statt. Natürlich ist mit dem Mutterland China ein großer Konkurrent herangewachsen, der zunächst Taiwan als Produktionsstätte von IT-Hardware mit kräftiger Unterstützung von taiwanesischen Unternehmen nahezu vollständig abgelöst hat. Apples Zulieferer Foxconn ist dafür ein gutes Beispiel. China wird allerdings auch als Technologiestandort immer attraktiver. Auch viele taiwanesische Talente wagen sich aufs Festland, da dort Löhne und Aufstiegschancen reizvoller als auf der Insel sind. China verspricht einen endlosen Binnenmarkt und viele Geschäftsgelegenheiten, ist aber gleichzeitig ein Haifischbecken. Einige der Taiwanesen kehren deshalb nach wenigen Jahren sehr erschöpft wieder auf die Insel zurück.

Taiwan gilt vielen Festlandchinesen weiterhin als großer Trendsetter. Ob Mode, Popmusik, Schauspieler oder auch technische Gimmicks – viele Trends in China stammen zunächst von der „abtrünnigen Provinz“ Taiwan. Deshalb freue ich mich auf frische Eindrücke, die ich aus Taiwan mitnehmen werde, bevor ich Ostern wieder zurück in heimischen Gefilden bin. Während der Reise wird es hier auf Cloudwelt etwas ruhiger zugehen, um dafür gestärkt von den Eindrücken aus der Ferne danach weiterzuberichten.